Quo Vadis Marvel?

Wie diese Woche berichtet sieht es im Fachhandel nicht sonderlich gut für Marvel aus. Absätze und Umsätze brechen ein und man kommt einfach auf keinen grünen Zweig. Dann laufen auch noch Top Talente wie John Romita Jr. und Brian Michael Bendis zum Konkurrenten DC über, was alleine Marketing-technisch eine Katastrophe ist. Wo Marvel im Filmgeschäft so erfolgreich ist wundert es ein wenig das sie dies aktuell nicht auf den Comicbereich übertragen können.

Dabei sah das letzten Sommer noch so vielversprechend aus. Man meinte aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben und wollte sich auf alte Kompetenzen zurück besinnen. Keine Events mehr die zwar kurzfristig Leser brachten aber nicht nachhaltig waren und mit „Legacy“ eine Initiative die sich auch wieder auf bestehende Charaktere und Setting berufen sollte. Doch die Verkaufszahlen sprechen eine deutliche Sprache: Diese Änderungen werden von den Lesern nicht angenommen. Ganz eindeutig hat Marvel hier einen falschen Weg eingeschlagen nur was könnte man anders machen?

Wieder Events
Es ist klar das Events sich verkaufen, das kann man aktuell gut bei Metal oder Doomsday Clock sehen, die machen aber auch etwas anders als die anderen Marvel Events: Sie sind sehr begrenzt! Metal hat zwar „Tie-Ins“ aber nichts was so drastisch in das Geschehen eingreift das man die gelesen haben müsste oder anders herum, wenn man nur eine Serie liest muss man nicht Metal lesen um die Serie weiter zu verstehen.

Infinity scheint ein ähnlicher Ansatz zu sein, aber nicht wirklich zu Ende gedacht, da auch hier wieder Checklisten geliefert werden die alle möglichen Serien mit einbeziehen. Das Gefühl: „DU musst X kaufen wenn du Y kaufst“ gehört möglichst unterdrückt. Das geht eben mit der Gestaltung eines Plots einfacher als mit Marketingaussagen.

Zentrale Figuren
Bei DC dreht sich alles um Batman, Superman und Wonder Woman. Bei Marvel muss hier wieder Captain America, Iron Man und Thor im Mittelpunkt stehen, den Originalen und zwar zusammen. Das heißt nicht das die „Nachfolger“ wie Riri, Jane oder Falcon verschwinden sollte, aber als zentrales Bindeglied sollten die drei Originale dienern. Auch die Fantasic Four sind lange genug weg gewesen und bei Spidey ist man ja schon auf dem Weg ihn wieder zu seinem „alten Platz zurück zu holen.

Von dieser Basis kann man auch neue Leser gewinne. Auch mit Serien um die neuen Figuren die eben dann nur ab und an mit den Originalen interagieren um auch hier das Gefühl das man alles lesen muss was da in einem Bereich erscheint zu nehmen.

Der Alan Moore / Neil Gaiman Faktor
Doomsday Clock ist aktuell der absolute Renner. Das hat sicher auch viel mit dem Erfolg von Watchmen zu tun und sowas kann auch Marvel ausnutzen. Marvel hat bisher sehr viel Wert darauf gelegt die Wünsche von Alan Moore zu berücksichtigen und eben seinen Namen bei Nachdrucken NICHT zu nennen. Das ist moralisch eine extrem noble Entscheidung, vom Marketing sehr dumm. Ein Miracleman / Avengers Crossover, geschrieben von einem Top Autor mit passenden Zeichnungen (Alan Davis, Mark Buckingham?) hätte in meinen Augen am Markt extrem gute Chancen. Ich vermute hier allerdings das man Gaiman nicht als Autor gewinnen könnte, weil er Moore nicht verärgern möchte.

Aufhören Leute zu verärgern
Wo es früher DC war die zum Teil extrem dumme Sachen taten (und sogar eine Seite eigens dafür eingerichtet wurde) trifft dies nun eher auf Marvel zu. Da verunglimpft man pauschal Zeichner oder drückt sich undeutlich in Bezug auf Diversität aus oder lässt einen langjährigen Autoren auflaufen. Hier besteht die Hoffnung das der neue Chefredakteur C.B. Cebulski für eine andere Atmosphäre sorgt.

Fazit
Es steht fest das Marvel etwas unternehmen MUSS. Ein weitere Absturz oder auch nur eine Stagnation kommt im heuten Markt nicht in Frage und würde der Comiclandschaft in den USA zumindest mittelfristig schaden. Da wir hier primär die beiden großen Verlage haben die für Umsatz sorgen und es Autoren ermöglichen auch mal eigene Experimente zu machen würde das Wegbrechen eines der beiden für beträchtlichen Schaden sorgen. Natürlich darf angezweifelt werden das dies so schnell passiert, aber die Verkaufszahlen sind schon alarmierend.

Es gibt allerdings kleine Hinweise darauf das es besser werden könnte. Der „echte“ Wolverine ist wieder da und erkämpft sich mit kleinen Auftritten wieder den Weg ins Rampenlicht und bei einem der „Marvel Writer Summits“ wurde Superstar Jonathan Hickman gesichtet:

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