Civil War II – Nachbetrachtung

Der Civil War II ist zu Ende und wollte hier nochmal detailliert auf das gesamte Event, seine Intention, den Bezug zur Realität und die weiteren Auswirkungen eingehen. Wer das Event noch nicht gelesen hat und überlegt das noch zu tun (vielleicht weil Panini es jetzt auf Deutsch bringt) sollte noch ein wenig abwarten. Ich werde hier im Blog nochmal an die Nachbetrachtung in Erinnerung rufen wenn die Serie auf Deutsch abgeschlossen ist.

Grundsätzlich kann ich das Event durchaus empfehlen, gerade für Leute die jetzt neu in die Marvel Comics einsteigen bietet es eine gute Gelegenheit einige der Helden und Themen kennen zu lernen und bildet die Basis für zukünftige Entwicklungen.

Wer sich die Bewertungen der einzelnen Hefte nochmal in Erinnerung rufen will kann das hier tun:

Es gibt noch eine Menge Tie-Ins die ich hier nicht einzeln aufführe, da ich die auch nicht alle gelesen habe. Zu jedem Heft das ich gelesen habe gibt’s aber eine Rezension entweder hier oder hier.

Prämisse
Der Anfang erinnert stark an Minority Report. Ein neuer Inhuman (Ulysses) taucht auf der in die Zukunft sehen kann. Carol „Captain Marvel“ Danvers möchte diese Fähigkeit nutzen um zukünftige Gefahren abzuwehren und Tony „Iron Man“ Stark ist dagegen. Was sich erstmal einfach anhört ist komplexer als es den Anschein hat. Um das Schritt für Schritt zu analysieren stellen wir und zunächst die Frage ob Ulysses DIE Zukunft sieht oder eben nur EINE Zukunft. Für jeden der mit Superhelden oder Sci-Fi Stories vertraut ist sollte die Anwort offensichtlich sein. Wenn Ulysses DIE Zukunft sehen würde wäre diese unabänderlich und jede Handlung aufgrund des Wissens sowieso vergebens. Das ist hier klar nicht der Fall.

Die andere Alternative ist allerdings etwas komplexer. Da Ulysses EINE Zukunft von vielen sieht hat alleine die Tatsache das er das sieht und mitteilt eine Auswirkung auf alles was zwischen diesem Moment und der gesehenen Zukunft liegt. Von der reinen Sci-Fi Ebene betrachtet ist es also eine philosophische Frage welche Handlungsweise geschickter ist: Ein massives Eingreifen um das Gesehene in jedem Fall zu verhindern (was Captain Marvel bevorzugt) oder ein vorsichtiges Beobachten und somit ein „Entwickeln lassen“ der Zukunft (der Weg von Iron Man).

Auswirkungen in der Serie
In der Serie selbst wird durch das aktive Eingreifen einiges bewirkt. Zu aller Erst wird eine Invasion aus einer anderen Dimension verhindert. Das ist der Einstieg in die Serie und letztendlich sind alle erstmal froh das dies so gekommen ist. Dann wird verhindert das Thanos an einen Cosmic Cube kommt wobei aber War Machine stirbt und She-Hulk schwer verwundet wird. Dann stirbt auch noch Bruce Banner weil er drohte sich in den Hulk zu verwandeln und er selbst Hawkeye damit beauftragt hatte ihn zu stoppen. Die letzteren Dinge traten nur ein weil man sich überhaupt mit dem Thema Zukunftsvisionen beschäftigt hatte. Hätte Ulysses z.B. nichts von der Vision von einem außer Kontrolle geratenen Hulk erzählt, hätten die Helden Bruce Banner nicht konfrontiert und es wäre nichts zur Verwandlung gekommen. Vielleicht aber doch, das ist immer eben das Problem in Geschichten die sich mit einem solchen Thema beschäftigen.

Bezug zur Realität
Der Bezug zur Realität kommt da als wir durch Tony Stark erfahren wie Ulysses Kräfte funktionieren. Wie bei dem ersten Civil War ist es eine Superhelden Variante eines modernen Problems. Damals war es die Gefahr die von Menschen ausgehen kann (Terrorismus) gepaart mit freiem Waffenbesitz, jetzt ist es es Thema Profiling. Ulysses wird als sowas wie ein Computer bezeichnet der die ultimative Big Data Analyse durchführt und dadurch Gefährder ermittelt. Unglücklicherweise ist es ein Sam Wilson: Captain America Heft in dem das so deutlich inkl. der Problematik erwähnt wird und vor allem in den Bezug gestellt wird der es überhaupt problematisch macht: Der immer noch vorhandene Rassenhass in den USA.
Aber auch in Deutschland ist das Thema „Profiling“ aktuell ein Reizwort. Allem voran ist da die Silvesternacht 2016/2017 zu nennen und die Frage ob es in Ordnung ist wenn man Menschen diskriminiert weil sie Merkmale mit anderen Menschen Teilen die vor einem Jahr Verbrechen verübt haben um schlimmeres zu verhindern. Wie beim ersten Civil War wird das ganze durch Superkräfte abstrahiert. Natürlich kann keiner so präzise in die Zukunft sehen wie Ulysses, aber es kann auch keiner so einfach ohne Hilfmittel eine schwere Bombe zünden wie Nitro.

Der wichtigste Punkt bei all dem kommt zudem im letzten Heft. Hier erklärt Hank McCoy warum Tony so heftig gekämpft hat. Es ging weniger gegen Carol als viel mehr um das Prinzip. Es ging darum das eine Möglichkeit geschaffen wurde die von anderen Missbraucht werden kann. Auch das ist eines der Hauptargumente gegen viele der Sicherheitsmaßnahmen die aktuell von Regierungen gerne beschlossen werden. Beispielsweise wurde Obama schon aufgefordert die Rechte die der NSA eingeräumt wurden schnellstmöglich zu widerrufen damit Trump sie nicht nutzen kann. Auch in Deutschland wird die Gefahr das eine Vorratsdatenspeicherung von einer eher rechtslastigen Regierung für ihre Zwecke missbraucht werden könnte zuminderst nicht kleiner.

Das Ende
Da wir mit Bruce Banner und James Rhodes bereits zwei gefallene Helden zu beklagen hatten war zu vermuten das es nicht mehr viele mehr würden. Das Tony Stark zumindest eine Zeitlang verschwinden würde war klar, da dies recht schnell aus den beiden neuen Iron Man Serien (Infamous und Invincible) hervor ging. Das hier schon eingebaut wurde wie er zurück kehren kann ist dem einen oder anderen sauer aufgestoßen aber da in Comics nie jemand für immer stirbt ist die Frage wie er wieder kommt meistens nebensächlich (Ausnahmen wie Bucky bestätigen hier die Regel).
Witzig ist das hier indirekt sowohl Warren Ellis Extremis, Matt Fractions Run als auch Tom Taylors Superior Iron Man aufgegriffen wird. In diesen Serien war es bereits Thema das Tony seinen Körper Stück für Stück modifiziert hat und nun ist er wohl kein echter Mensch mehr.
Ein anderer Kritikpunkt war die Tatsache das Ulysses als Deux Ex Machina mittels Eternity aus dem Spiel genommen wurde und so die Auflösung „zu Einfach“ war. Für mich war ein solches Ende von Anfang an klar. Ulysses Visionen wurden von Heft 1 an immer stärker und umfassender und es war zu erwarten das er entweder sterben würde oder aber seine Visionen so mächtig das er die Erde verlassen musste. Da er ein neuer Charakter war machte die Sache mit dem Tod nur bedingt Sinn, so kann man darauf noch einiges an Geschichten aufbauen.

Was kommt jetzt?
Wie bereits erwähnt machen sich in der Lücke die Tony Stark hinterlassen hat zwei Leute breit die sehr interessante Geschichten versprechen. Riri Williams bringt in Invincible Iron Man eine frische Note in die technisierte Welt und Victor von Doom als der Infamous Iron Man ist einfach genial geschrieben. Bei den Ultimates haben wir trotz den Differenzen die sich ergeben haben wieder den alten Status Quo das die zusammen arbeiten und die Trennung der Avengers in „Alte Hasen“ und die neuen Champions war ebenso eine gute Idee. Zudem beginnt Hawkeye unter dem Banner der „Occupy Avengers“ dem kleinen Mann zu helfen und Jennifer „She-Hulk“ Walters versucht mit ihrem posttraumatischen Stress in „Hulk“ zurecht zu kommen.
Auch in anderen Serien sind die Auswirkungen spürbar, aber die wohl interessanteste Wendung ist die in der neuen Jessica Jones Serie. Hier wird der eine Punkt aufgegriffen wo Ulysses Vision augenscheinlich falsch war und nun will sie die Frau rächen die dadurch zu unrecht beschuldigt wurde.

Was wissen wir nicht?
Interessanterweise wird in der Serie selbst nie wirklich darauf eingegangen von wem der Schutzschild ist der Miles „Spider-Man“ Morales umgibt. Carol beschuldigt Tony, aber der gibt das nie wirklich zu und auf Tumblr hat Bendis einen Fan gelobt der danach gefragt hat:

http://brianmichaelbendis.tumblr.com/post/155362597121/rereading-the-entire-civil-war-ii-series-and-the


War dass das Werk vom „bösen“ Captain America?
Zudem beleibt die Frage offen was mit Alison Green ist. War die Vision von Ulysses wirklich so falsch? Ist zu vollkommen unschuldig und möchte sich erst jetzt rächen oder führte sie von Anfang an böses im Schilde?

Fazit
Insgesamt bleibt die Tatsache das die 8 Hefte zu lange waren. 6 hätten ausgereicht um die selbe Geschichte zu erzählen und dann wäre das alles auch ein sehr gutes Event geworden, so fühlt es sich in die Länge gezogen an, was nicht hätte sein müssen. Ansonsten hat mich persönlich die Geschichte gut unterhalten und – wie man an diesem Beitrag sehen kann – auch zum Nachdenken angeregt. Es ist zudem eines jeder Events die das Marvel Universum ausbauen. Viele Dinge werden angedeutet die in den folgenden Jahren eine Rolle spielen werden und es wird die Basis für eine Menge neuer Geschichten gelegt.

Ein Gedanke zu „Civil War II – Nachbetrachtung“

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