Die Meldung das DC sich von Diamond als Distributor trennt schlug gestern ein wie eine Bombe. Was viele als plötzliche Entscheidung ansahen, war offensichtlich schon länger geplant.

Wie es dazu kam und was es für Auswirkungen haben könnte stelle ich hier mal zusammen.

Hinweis

Ich würde mich eher als „informierter Fan“ bezeichnen und nicht als wirklicher Experte. Die folgenden Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammen gestellt, aber für ihre absolute Richtigkeit kann ich keinen Gewähr übernehmen.

Bisher

Seit fast 23 Jahren ist Diamond der primäre Distributor für den Comic Fachhandel. Nahezu alles was Weltweit in Comicshops an US Comics und zum Teil auch Merchandise verkauft wird wird von ihnen geliefert. International läuft das mit dem Merchandise zum Teil andere Wege, aber auch hier kommen die Comics für den Fachhandel fast ausschließlich in irgendeiner Art und Weise über Diamond.

Das Corona Problem

Am 23.3.2020 erklärte Steve Geppi, der Geschäftsführer von Diamond, dass die keine Comics mehr an die Läden ausliefern würden. Dies hatte den Hintergrund das viele US Bundesstaaten einen kompletten „Lockdown“ angeordnet hatten und die Comicläden so keine Möglichkeit hatten die Hefte zu verkaufen. Jetzt weiter zu liefern und dann auch auf Bezahlung zu bestehen hätte die Läden in dieser schweren Situation noch weiter belastet.

DC’s Alleingang

Mitte April erklärte DC dann das sie trotz des immer noch bestehenden „Lockdowns“ weiter Comics vertreiben wollten und kündigten die Zusammenarbeit mit UCS Comic Distributors und Lunar Distribution an. Das Problem hierbei war schnell klar. Obwohl beide Firmen scheinbar neu gegründet wurden sind die doch letztendlich keine Unbekannten im Comicgeschäft. UCS Comic Distributors, zuständig für den Osten der USA und Kanada, wird von Midtown Comics betrieben und Lunar Distribution, die den Westen von Nordamerika beliefern, von DBCS. Beides Versandhändler die direkt Endkunden mit Comics und Merchandise beliefern, also letztendlich direkte Konkurrenz zu den Comic-Shops die sie jetzt beliefern sollten. Zu allem Überfluss hat Midtown selbst einen Laden in New York. Zudem wurde das Erscheinungsdatum der DC Comics auf Dienstag vorverlegt wo alle anderen Hefte erst ab Mittwoch verkauft werden dürfen.

Als Diamond dann den Vertrieb auch wieder startete fuhr DC zweigleisig. Die Hefte die offenbar noch bei Diamond lagerten oder für die es schon Bestellungen gab wurden auch von dort geliefert.

Verhandlungen im Hintergrund

Steve Geppi, Chef von Diamond, erklärte nun das sie seit diesem Zeitpunkt mit DC über neue Bedingungen in Verhandlung standen. Laut seiner Aussage wurden diese Verhandlungen nun abgebrochen und DC erklärte das sie nicht mehr mit Diamond zusammen arbeiten wollen, sondern das ihre Comics nun über die beiden neuen Distributoren laufen sollten.

Zerschlagung eines Monopols ist doch gut oder?

Ja, für den Markt und den Kunden, egal ob Endkunden oder auch in diesem Fall die Fachhändler – also Comicshops – ist ein wenig Konkurrenz durchaus etwas gutes. Dummerweise ist dies nicht was hier passiert. Das Monopol verschiebt sich nur und wird nicht aufgelöst. Der Fachhandel hat ja jetzt ebenso keine freie Entscheidung wo er kauft wenn er DC Comics verkaufen möchte. Die MUSS er über einen bestimmen Vertrieb beziehen, also UCS wenn er im Osten ist oder Lunar im Westen.

Viele Probleme

Hinzu kommt das diese neue Situation für die Händler viele Probleme mit sich bringt.

Abhängig von der Konkurrenz

Wie oben erwähnt beliefern die neuen Distributoren auch Endkunden. Das ist ein erheblicher Gewissenskonflikt. Bei UCS/Midtown kommt hinzu das da die Konkurrenz in Form eines Ladens zum Teil 2 Straßen weiter sitzt.

Schlechtere Konditionen

Aufgrund seiner Größe konnte Diamond für die Händler gute Konditionen liefern. Geppi hat auch jetzt in der Corona-Krise nochmal klar gestellt das ihre die Finanzdecke groß genug ist Comic-Shops die es nicht so leicht hatten eine Zeit lang weiter zu unterstützen. Das ist bei den Neuen nicht der Fall. Die ersten Berichte zeigen das die Marge, also das was als Gewinn bei den Händlern hängen bleibt, noch weiter zusammen schrumpft. Da das Betreiben eines Comic-Shop sowieso oftmals mehr Liebhaberei denn ein Gewinn bringendes Geschäft ist macht hier jeder Cent viel aus.

Doppelte Versandkosten und Aufwand

Bisher hat der ein Shop alles was er brauchte bei Diamond bestellt. Er musste ein System bedienen und bekam alles zusammen geliefert was Handling und Kosten sparte. Jetzt muss man zwei unterschiedliche Systeme bedienen, wobei auch hier die Berichte davon sprechen das die Systeme der neuen Distributoren nicht auf Massenbestellungen ausgelegt sind und der Zeitaufwand hier erheblich höher ist.

Hinzu kommt das nun statt einer großen Lieferung zwei kleinere ankommen, die getrennt verarbeitet und vor allem bezahlt werden müssen. Es ist offensichtlich das die Versandkosten dann schnell sehr viel höher werden, was weiter an der knappen Marge nagt.

Was soll das mit Dienstags?

Die Idee das die DC Comics nun Dienstags verkauft werden dürfen ist eine recht einfache aber auch plumpe Marketingstrategie. Der Gedanke ist das jeder Dollar den ein Fan Dienstags für DC Comics ausgegeben hat kann er am Mittwoch nicht mehr für andere Comics ausgeben. In wie weit das in Zeiten von Pulllists und Vorbestellungen aufgeht ist eine andere Sache.

Und Deutschland?

Für Fans und natürlich auch Comicläden in Deutschland wird es kompliziert. Bisher haben die in der einen oder anderen Forum Comics über Diamond bezogen. Für DC Hefte ist dies nun nicht mehr möglich. Der Hinweis von DC lautet bisher sich an UCS oder Lunar zu wenden, doch die haben keine Erfahrung im größeren internationalen Geschäft uns nach meinen Informationen auch noch nicht auf Anfragen aus Deutschland reagiert.

Ein Deutscher DC Fan hat also zwei Möglichkeiten:

  1. Umsteigen auf Digital. Über ComiXology kann man die Hefte weiterhin lesen, das ist von der Umstellung nicht betroffen.
  2. Auf die Sammelbände warten. Die werden entweder wie bisher über den Buchhandel vertrieben oder aber ein Comicladen kann die über Penguin/Random House ordern, die durchaus internationales Geschäft bedienen.

Die Reaktionen

Einer der Ersten der auf die Ankündigung reagiert war der Autor Peter David:

Er hält die Entscheidung von DC für eine Kriegserklärung an Marvel und sieht potentiell katastrophale Auswirkungen. Er macht dabei allerdings einen Denkfehler den John Jackson Miller von Comichron gerade rückt: https://blog.comichron.com/2020/06/dc-ends-distribution-relationship-with.html

David geht davon aus das DC 30 % des Geschäftes von Diamond aus macht und die einen solchen Einbruch nicht verkraften können. Miller zeigt auf das zum Einen Diamond mehr verkauft als nur Comics, die 30% aber nur diesen Teil betreffen und zum Anderen das Diamond den Weggang von Marvel in 1994 so gut verkraftet hatte das Marvel bald schon wieder zurück kehren musste.

Die Händler in den USA scheinen sich einige zu sein das dies eine ganz schlechte Idee ist. Brian Hibbs vom Comix Experience in San Francisco spricht von einer „verrückten Bombe“ die katastrophale Folgen für ihn haben wird, Chuck Rozanski von Mile High Comics sieht das ähnlich.

Warum das Ganze?

Die Vermutung ist, das DC von den neuen Eigentümern von Time Warner AT&T Druck bekommen hat. Man versucht offensichtlich einen Händler in der Kette auszuschalten und sind aktuell die Comicshops. Die Hoffnung ist wohl das man zwar Einbußen beim Absatz hinnehmen muss, das sich das so verschlanke Geschäft aber online besser kontrollieren lässt und effizienter wird.

Ob das auf geht ist eine andere Frage.

Bei all dem wirkt die Aktion die Jim Lee, aktuell alleiniger Verlager bei DC, bei dem er Zeichnungen zu Gunsten von Comic Shops versteigert wie ein Schlag ins Gesicht.

Ein Gedanke zu „Was bedeutet die Trennung von DC und Diamond?“

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